Straubing

Goidhaibal: Direkt vom Volksfest nach Hawaii

Donnerstag, 9. August 2018
<p>Aus dem "Karmeliten am Hagen" ist über die vergangenen Monate das "Goidhaibal" geworden. Mit Inhaberin Michaela Stöberl haben wir über das neue Konzept gesprochen - und darüber, womit sie in der Volksfestzeit aufwarten wird.</p>

Aus dem "Karmeliten am Hagen" ist über die vergangenen Monate das "Goidhaibal" geworden. Mit Inhaberin Michaela Stöberl haben wir über das neue Konzept gesprochen - und darüber, womit sie in der Volksfestzeit aufwarten wird.

(Quelle: Stefan Karl)

Es hat sich was getan am Hagen in Straubing. Die Veränderung ist nicht zu übersehen: der ehemalige Karmeliten-Biergarten hat sich in eine farbenfrohe Strand-Szenerie verwandelt. Aus dem "Karmeliten" wurde das "Goidhaibal Aloha Brewing".

Inhaberin Michaela Stöberl, die zur Volksfestzeit in der Vergangenheit schon für die Bussi-Bussi-Bar verantwortlich zeichnete, hat eine neue Aktionsbar zum diesjährigen Gäubodenvolksfest angekündigt. Über beides haben wir mit ihr gesprochen.

Die Bussi-Bussi-Bar oben an der Geiss hat bei vielen Volksfest-Besuchern einen legendären Ruf. Die gab es im vergangenen Jahr nicht mehr, sie wurde von vielen vermisst. Zu diesem Volksfest jetzt eine "Tutti-Frutti"-Bar. Was hat es damit auf sich?

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So eine Bar ist ja nicht nur Spaß, sondern auch ein Riesenaufwand und die letzten Jahre hab' ich gedacht: Eigentlich will ich nicht mehr. Eigentlich. Aber eigentlich hab' ich schon auch Lust drauf. Dann sind auch noch viele auf mich zugekommen und haben gesagt, Michi, mach halt was, wo sollen wir denn hingehen?" Jetzt haben sie mich tatsächlich in den letzten zwei Wochen umgestimmt. Ich hab das mit der Stadt abgeklärt, das ging absolut problemlos. Nächste Frage war dann: "Wird das die Bussi-Bussi-Bar 2?" Und ich hab gesagt: Auf keinen Fall. Bussi-Bussi-Bar gehört nach oben in die Stadt, in die Geiss. Ob es von der mal ein Revival gibt, lass ich mir offen. Nächster Gedanke war dann: Was passt zu Hawaii? Ich bin also laufen gegangen, beim Laufen kommen mir immer ganz wilde Ideen. Hawaii verbinden die meisten ja mit Obst. Damit war klar: Tutti-Frutti-Bar soll es heißen. Schon allein, weil ich ein Fan von Hugo Egon Balder bin. In meiner Altersklasse kennt die Sendung auch noch jeder. Wir sind halt nicht mehr 18 oder 24 (lacht). Jetzt ziehen wir das voll durch mit Obst-Deko und den entsprechenden Outfits. Die Barkeeper haben tolle Hawaii-Hemden mit riesigen Früchten drauf. Ich hab auch schon einen Ananas-Rock und ein Zitronenkleid.

Was gibt's zu trinken?

Natürlich alle Bar-Klassiker, die man von uns kennt. Das Besondere ist, dass wir neben dem Goidhaibal auch eine Auswahl hawaiianischer Biere an der Bar anbieten.

"Lange getestete Eigenkreationen"

Reden wir über das neue Konzept: Nicht mehr Karmeliten, sondern Goidhaibal im Beach-Look. Was erwartet die Besucher des "neuen Biergartens"?

Das Goidhaibal ist ein bayerisch-hawaiianisches Konzept. Ausschlaggebend war, dass mir das rein-bayerische im Karmeliten nach zwei Jahren nicht mehr so gefallen hat, dass das so rein bayerisch war. Ein Teil der Gäste hat auch gesagt: "Was man hier kriegt, kriegt man überall. Warum sollte ich also bis da runter an den Hagen gehen?" Dann haben wir letztes Jahr erst mal den Biergarten zu gelassen und die Zeit halt lieber genutzt, das neue Konzept zu entwickeln.

Das Konzept also Bayerisch-hawaiianisch. Diese Crossover-Geschichten scheinen mehr und mehr im Kommen zu sein. Habt Ihr Euch da Inspiration geholt?

Nein, dieses Bay-Poké, also das hawaiianische Poké mit klassisch-bayerischen Komponenten zu mischen, das ist neu. Das hab ich bisher auch nirgendwo gesehen. Poké klassisch ist ja eigentlich Thunfisch, Lachs oder Oktopus, jeweils roh, dazu kommen dann Gemüse und verschiedene Soßen. Das Besondere an unserer Mischung ist, dass wir eben die Zutaten der Bayerischen Küche verwenden. Die Bowls sind Eigenkreationen, die wir lange getestet haben.

Wie muss man sich diese Poké-Bowls vorstellen?

Du hast da eine andere Haptik als bei einem Teller, das Umfassen der Schüssel gehört dazu, wie auch, dass sich die Geschmäcker im Mund ganz anders mischen. In jeder Ecke der Bowl gibt es da ein anderes Geschmackserlebnis. Mir haben schon Gäste gesagt: "Michi, Du spinnst ja. Ich hab Explosionen im Mund, das kannst Du mir nicht antun, das halt ich nicht mehr aus in meinem Alter!" (lacht) Der war erst sehr skeptisch. Bis er es probiert hat. Das war so ein richtiger Aha-Effekt, genauso wie bei mir, als ich meine erste Hawaii-Poké-Bowl hatte. An manche Sachen tasten wir uns noch ran, wir wollen zum Beispiel im Winter, wenn die Leute unsere Bowls schon ein bisschen kennen, mal auch Rezepte mit rohem Fisch probieren. Das ist dann näher an der hawaiianischen Tradition.

Im zweiten Teil lesen Sie, wie ein Parkplatz zur Meeresbrandung wird und warum Schaukeln ein Gefühl von Freiheit vermittelt.

Der Parkplatz als Meeresbrandung

Auch in der Gestaltung hat sich einiges geändert. Es gibt zum Beispiel weniger Plätze im Biergarten…

Wir haben in den zwei Jahren davor die Erfahrung gemacht, dass bei 500 Plätzen die Logistik oft an ihre Grenzen stößt. Es soll ja auch wenn der Biergarten voll besetzt ist, alles in einer vernünftigen Zeit rausgehen. Jetzt haben wir noch knapp halb so viele Sitzplätze. Gleichzeitig wirkt der Garten dadurch lockerer und nicht mehr so vollgepfropft.

Was mir gleich als Erstes aufgefallen ist, war der Platz mit den Schaukeln am Tresen.

Die Idee war: Betrete den Laden und verlass den Ort, wo Du gerade bist. Das bestätigen die Gäste auch, die sagen: "bei Dir ist es wie im Urlaub". Sie können mal runterfahren. Das war mir sehr wichtig, so einen Ort zu schaffen. Wenn man auf einer Schaukel sitzt kommen ganz eindeutige Gefühle hoch, die man als Kind hatte, wo das ganze Leben noch ein bisschen unbeschwerter war. Die Schaukelplätze sind sehr beliebt, die werden auch sehr oft reserviert. Grad Erwachsene nutzen die sehr gern. Die sagen: "Mein Gott, ist das lang her, dass ich auf einer Schaukel gesessen bin." Schaukeln hat halt auch was von Freiheit.

Die Position des ehemaligen Karmeliten-Wirtshauses ist was Besonderes. Im Volksfest natürlich sehr nah am Geschehen, das restliche Jahr eher weg vom Schuss. Inwiefern hat das Einfluss auf das Konzept?

Ja, zunächst mal hat der Parkplatz einen Einfluss darauf. Bei der Ausarbeitung des Konzepts hatten wir Unterstützung von einem Gastro-Experten. Der hat gesagt: "Michi, im Sommer wird sich die Sonne in den Autodächern und den Frontscheiben spiegeln und das wird aussehen wie ein Meer." Und er hat wirklich Recht gehabt. Oft sitzt man da und denkt sich: "Das ist wie Wasser". Hier sollte es außerdem etwas geben, was es sonst nirgendwo gibt, weil - warum sollten die Leute sonst hier herkommen? Da muss wirklich alles passen, Essen, Ambiente, Service.

Die kommenden zehn Tage sind ja erst mal Großkampfzeit. Wie habt Ihr Euch auf das Gäubodenvolksfest eingestellt?

Wir haben die Bierlager aufgefüllt (lacht). In der Zeit gibt's natürlich auch bei uns Festbier. Es ist von 11 Uhr früh bis halb eins in der Nacht offen. Das wird auf jeden Fall eine ganz besondere Stimmung, weil man hier mitten im Trubel, mitten im Fest ist, es ist aber trotzdem ein bisschen ruhiger. Das schätzen vor allem die Familien. Heuer haben wir dazu noch einen Spielplatz direkt vor der Tür, insofern passt das perfekt.

In Zukunft "Aloha" auch im Innenraum - und zwei neue Team-Mitglieder

Wird es dann auch kulinarisch Abwechslung zur typischen "Volksfest-Verpflegung" geben?

Ja und nein. Ein paar Volksfest-Klassiker, wie das halbe Hendl, werden wir schon machen. Bei uns aber gibt's zum Beispiel keine klassische Sülze, sondern eine Surfer-Sülze. Käse und Brezen natürlich, aber ansonsten bleiben wir bei den Bowls, das ziehen wir auch im Volksfest durch. Auf die Gefahr hin, dass der eine oder andere das Schnitzel vermisst… In den sieben Zelten ist das Essen ja sehr ähnlich. Wir wollen vor allem was für die Leute anbieten, die vielleicht grad keine Lust auf Schnitzel oder Schweinebraten haben.

Wie geht's dann nach dem Volksfest weiter?

Natürlich mit unserem Beach-Biergarten. Für den Herbst geht bereits die Planung los für die Umgestaltung innen. Auf jeden Fall wird's auch drinnen ein Angebot für die Kinder geben, ähnlich wie bei unserem Spielplatz draußen, weil mir das einfach so gut gefällt. Für das Bay-Poké-Konzept haben wir gerade erst zwei neue Team-Mitglieder gewinnen können, einen Koch und noch jemand für den Service, beide sind extra hierher nach Bayern gezogen, weil ihnen das Konzept und diese Art zu kochen gefällt.(schmunzelt) Die hatten auch genug vom Schnitzel braten.

Info-Box

Poké, was so viel bedeutet wie "in kleine Stücke schneiden", ist ein Gericht, das traditionell auf rohem Fisch (traditionell Thunfisch), einer Basis aus Reis und Zutaten wie Frühlingszwiebel, Sesam und einer Marinade aus Sojasauce basiert und in Schalen serviert wird. Die Poké Bowl zählt zur Cross-Over-Küche und vereint die Geschmäcker Japans, Polynesiens und der US-amerikanischen Westküste.



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